Europäische Hornotter

Vipera ammodytes ammodytes ( Nominatform )

Beschreibung

Die Nominatform gilt als die variabelste Unterart der Europäischen Hornotter. Farbskalen zwischen grau, braun, gelb und rot sind in allen Farbschattierungen anzutreffen, so das es kontrastreich und kräftig gefärbte Exemplare gibt, bis hin zu verwaschenen, blassen Färbungen. Selbst die angegebenen Farbskalen können ineinander übergehen. Die große Farbpallette dieser Unterart ist nicht nur geographisch festgelegt und hängt auch nicht unbedingt mit dem Bodentyp des Biotopes zusammen. 

 

Im Durchschnitt kann man behaupten, je südlicher ihr Verbreitungsgebiet, desto farbenfroher die einzelnen Exemplare. Aber darauf sollte man sich nicht festlegen, da auch im nördlichsten Verbreitungsvorkommen Exemplare gefunden wurden, die denen aus der Herkunftsregion in Montenegro oder Albanien in Grundfarbe sehr ähneln oder gleichen.

 

Trotz dies, das es auch im nördlichen Verbreitungsgebiet abweichend gefärbte Exemplare gibt, haben doch die meisten Hornottern in einer Population vorherrschend Grautöne, die mehr oder weniger dunkel oder heller sind. Die Weibchen sind oftmals bräunlich, rotbraun oder silbrig bzw hellgrau. Wobei die Zeichnung schwach ausgebildet ist und sich nicht wie bei den Männchen, kontrastreich von der Grundfarbe abhebt, sowie eine fehlende oder schwach angedeutet Kopfzeichnung und Pigmentierung. 

 

Verbreitung

Norditalien ( Südtirol, Venezien ), Slowenien, Südösterreich ( Kärnten, Steiermark ), Kroatien und die dazu vorgelagerten Adriainseln, Serbien, Bosnien Herzegowina, Südwest Rumänien, Montenegro, Kosovo, Nordalbanien, Mazedonien. Bei der in der Südschweiz wie Tessin und anderswo des Landes ausgesetzten Hornottern handelt es sich meistens um hybridisierte Nachkommen mit der Aspisviper ( Vipera aspis ) die mit der Hornotter sehr eng verwandt ist und in dieser Region lebt.

Haltung

Die Haltung der Nominatform von Vipera ammodytes gilt als sehr anspruchslos als Terrarienpflegling. Anders als die südlichen Unterartvertreter, sollten diese nicht so warm gehalten werden und kommen sogar mit weitaus niedrigeren Temperaturen zurecht als die südlichen Unterarten. Nach meinen Erfahrungen sind sie dafür sehr viel agiler und fluchtbereiter als zum Beispiel Vipera ammodytes meridionalis und Vipera ammodytes montandoni. Der Grund liegt nach meinen Thesen daran, das im Gegensatz zu diesen sie viel schlankere und längere Körper haben und im Norden ihres Verbreitungsgebietes es weniger durchgehende für sie geeignete Biotope existieren, so das sie gezwungen sind sich bei negativer Veränderung ihres Biotopes andere Lebensbereiche zu suchen. Dazu gehört ein schlankerer und flinkerer Schlangenkörper um weite Strecken schneller und sicher zu überwinden. Den im Norden ihrer Verbreitungszone sind die xerothermen Lebensbreiche oftmals Jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen, so das sie innerhalb weniger Jahre, bedingt durch das regenreichere Klima, nach und nach mit Gestrüpp zuwuchern. Den Vipern bleibt somit kaum Sonne und letztendlich Wärme. Außerdem mangelt es in nördlichen Regionen mehr an Echsen, so das man gezwungen ist mehr nach Kleinäugern wie Nagetieren Ausschau zu halten. Sie sind deshalb auch mehr die aktiveren Stöberer und Jäger die gezielt nach Nahrung suchen. 

 

Anders sieht es aus im Süden ihres Verbreitungsgebietes. Hier herrscht im Sommer eine so unerträgliche Hitze und Dürre, das Pflanzen weniger Chance haben in der ohne hin schon regenarmen Klimazone sich breit zu machen. Die steinigen Geröllfelder und die trockenen Wiesenflächen sind für Pflanzen lebensfeindlich, abgesehen von einigen Spezialisten. Das sehr viel mildere Klima lässt durchgehende Lebensbereiche entstehen, so das die Vipern nicht gezwungen sind sich nach einigen Jahren wieder ein geeigneteres Biotop aufzusuchen. Der Reichtum an warmen und trockenen Biotope lässt die Anzahl von Echsen nur so explodieren. Die Vipern des Südens leben somit in einem Schlaraffenland voller Beutetiere. Sie haben es nicht nötig gezielt nach Nahrung zu suchen, sondern lauern an geeigneten Stellen nach vorbei laufenden Echsen usw. Nur bei größerem Hunger oder in Sommernächten gehen auch sie zur gezielten Jagd über, die die schlafenden Echsen zwischen den Gesteinsspalten mit Leichtigkeit erbeuten. Deshalb sind diese südlichen Unterarten plump und kräftiger gebaut als die Nördlichen.

Kommentkampf

Der Kommentkampf ist die Bezeichnung zwei sich ritualisierender Rivalen unter den Schlangenmännchen. Dieser Kampf wird im Frühjahr nach der Winterruhe ausgelöst, wenn die Männchen nach der Frühjahrshäutung vor allem auf ein paarungswilliges Weibchen treffen. Aber auch ohne die Anwesenheit eines Weibchens kann dieser Kampf ausgelöst werden, wenn beide Männchen in Paarungsstimmung sind. Im Durchschnitt geschieht dies im Frühjahr nach der Winterruhe aber manchmal auch im Herbst ( Herbstpaarung ).

 

Dieser Kampf ist ungefährlich für die Rivalen untereinander, da sie niemals ihre Giftzähne einsetzen ! Biologischerweise hätte dies auch keinen Sinn, da es der Fortpflanzung und diesbezüglich der Vermehrung stören würde. Logischerweise wäre dies also eher ein Schritt nach hinten anstatt nach vorne, was die Evolution der Schlange betrifft. 

Ich habe unten noch zwei weiter Videoclips angehängt, die nach einem und nach zwei Tagen entstanden. Ich habe also nach dem ersten Kommentkampf einen Tag später das Männchen der Velebit Variante zur Zuchtgruppe der Krk Variante gesetzt. Die beiden Männchen begannen sofort miteinander zu kämpfen. Einen weiteren Tag später wiederholte ich das ganze. Die Dauer eines einzelnen Kampfes kann man an der Länge eines Videos sehen. Nach jedem Videoclip, setzte ich das Velebit Männchen wieder zu seinem Weibchen in das Terraium. 

 

Der Kampf darf nicht zu lange andauern, den sonst könnte ein unterlegene Rivale an Erschöpfung und Dauerstress sterben. Deshalb sollten auch nie zwei adulte Vipera ammodytes Männchen in einem Terrarium leben ! Dies sah ich an dem Verliere der nach Unterlegenheit flüchtete und vom Sieger verfolgt wurde. Der Verliere, hier das Velebit Männchen, suchte sofort irgendwelche Verstecke oder andere Fluchtmöglichkeiten. Ich entfernte es sofort und setzte es letztendlich in sein Terrarium mit dem passenden Weibchen seiner Herkunftsvariante.

 

Video folgen demnächst !

Kopulationsversuch

Nach der Winterruhe kommen die Vipern zuerst mit samt der Überwinterungsbox für einige Tage an einem kühleren Platz. Dies kann zum Beispiel eine schattige Fensterbank sein, so wie ich es praktiziere. Nach ca. einer knappen Woche oder früher, kommen die Vipern gemeinsam in ihr angestammtes Terrarium. Dabei spielt es keine Rolle, ob zuerst die Männchen und danach die Weibchen oder beide Geschlechter gleichzeitig in das Terrarium kommen. Den oftmals wird in Literatur gelesen, das es für die Fortpflanzung zum Vorteil sei, da sich die Männchen dann eher mit den Weibchen paaren, so wie es in der freien Natur oftmals der Fall ist. Aber es wurden auch schon Weibchen beobachtet die sehr viel früher die Winterruhe im Frühjahr beendet hatten als sonst üblich und sich mit einem Männchen zeitlich danach mit Erfolg verpaart hatten. 

Kopulation

Nach einigen Tagen Kopulationsversuche des Männchens, ist das Weibchen paarungswillig und nach langem Werbe Zeremonie des Männchen hebt nun das Weibchen das Schwanzende nach oben so das die Kloake sichtbar ist. Dies dient dem Männchen dazu sich mit einem seiner Hemipenise eindringen zu können. Vor diesem Akt flieht das Weibchen oftmals, damit das Männchen ihr folgt. 

Trächtigkeit

Nach einer erfolgten Kopulation, tragen die Weibchen die Jungtiere circa etwas über einhundert Tagen aus. Schon recht bald ist zu erkennen, das seitlich am Körper der Schlangen leichte Verdickungen bzw Wölbungen vorhanden sind. Dies sind die Anzeichen das sich Eier im Körper gebildet haben. Ab einer gewissen Zeit verweigern die Weibchen die Nahrung und nehmen diese erst wieder an wenn die Jungtiere abgesetzt werden. Nur selten nehmen im trächtigen Zustand die Weibchen Nahrung an und dann auch nur in Form von kleiner Beute wie z.b. Babyratten die leicht verdaulich sind und deshalb weniger störend im Verdauungstrakt sind. Den man muss bedenken das die Eier viel Platz im Leib weg nehmen. Dann kommt es auch noch darauf an, in welchem Ernährungszustand ein trächtiges Weibchen ist. So wird ein mageres Weibchen wohl eher im trächtigen Zustand kleine Beute zu sich nehmen als ein sehr Wohlgenährtes. Wenige Tage vor der Geburt der Jungtiere, liegen die Weibchen oft geradlinig herum und sind auch sonst unruhiger als zuvor. Dies ist ein fast sicheres Anzeichen dafür, das innerhalb weniger Tagen die Jungtiere abgesetzt werden. 

Geburt

Unmittelbar nach der Geburt häuten sich die jungen Schlangen. Durch reiben mit der Schnauze an rauhe Gegenstände, versuchen sie die alte Haut abzustreifen. Das die Jungtiere im Terrarium abgesetzt wurden erkennt man daran, das überall kleine Schlangenhäute im Terrarium zu sehen sind. Oder man sieht kleine Hornottern beim vorbeilaufen weg flitzen, so wie ich es an einem Morgen sah. Anhand der Zahl der Jungtiere erkennt man daran wie viel Jungtiere abgesetzt wurden die lebendig sind. Bei diesem Wurf kamen jedoch neben den 6 gesunden Jungtieren auch zwei oder drei Wachseier und drei tote fertig entwickelte Jungtiere zur Welt. Wachseier sind unbefruchtete Eier bei der es zu keiner Embryonalentwicklung kam. 


Nachzucht und Aufzucht der Juvenilen

Die kleinen Hornottern sind anfangs noch recht klein und brauchen eine fürsorgliche Pflege was die Haltung betrifft. Ich halte sie meist einzeln in kleinen Falltürterrarien die von oben mit einer LED Birne beleuchtet werden und von unten durch ein Heizkabel oder einer Heizmatte lokal erwärmt werden. Bei Platzmangel auch in einem Holzterrarium gemeinsam in dem die Technik und Einrichtung genauso ist wie in den kleinen Falltürterrarien. Die Einrichtung besteht übrigens aus einem oder mehrere kleinen Verstecken, Gestein, Wasserschälchen und in größeren Behältern mit einer kleinen Pflanze. Als Bodeneinlage verwende ich Papier das man leicht nach Verschmutzung erneuern kann und sich besser von der erwärmten Bodenstelle aufwärmen kann. Außerdem hat es einen sehr wichtigen Vorteil wie die Vermeidung des Verschlingens von Bodenmaterial,  z.b. Gestein oder Holz. 

 

Strengstens sollte man darauf achten das nicht der gesamte Bodenteil erwärmt wird, den schnell kommt es hier zu einer Überhitzung der kleinen Terrarien was für die kleinen Schlangen tödlich enden könnte ! Ich wähle bei Heizmatten die mit einer schwachen Wattstärke aus, die unter die Terrarien gelegt werden und für eine lokale Bodentemperatur von ca. 25 - 30 Grad Celsius erreichen. Die Lufttemperatur bewegt sich außerhalb der Winterruhe zwischen 20 - 30 Grad Celsius tagsüber und 16 - 25 Grad Celsius Nachts, wobei im Hochsommer auch Nachts bis zu plus 30 Grad Celsius herrschen können. 

 

Täglich frisches Wasser ist ein Muß und Kot sowie nicht gefressene Beutetiere sollten schnellstmöglich entfernt werden ! Den die jungen Schlangen brauchen im Gegensatz zu den größeren Exemplaren öfter etwas zu trinken um nicht auszutrocknen und frisch abgesetzter Kot sorgt oftmals in kleinen Falltürterrarien kurzzeitig für eine erhöhte Lufttemperatur und eventuell für Stickluft. Dafür kann man um dies zu verhindern, auf der Frontscheibe auf dem die obere Scheibe auf die untere Scheibe trifft, mit Silikon beidseitig Tupfer anbringen. Die Falltür fällt somit nicht ganz auf die untere Scheibe so das ein kleiner Spalt offen bleibt um für eine Luftzirkulation zu sorgen. Wichtig zu wissen ist es das der Spalt nicht so groß sein soll, damit die kleinen Giftschlangen nicht aus ihren Terrarien entkommen ! Mann sollte es zuvor gut abmessen und kontrollieren. Wenige Millimeter sind ausreichend. Die nicht gefressenen Beutetieren können durch ihren Verwesungsprozess schnell den Schlangen die Luft zum atmen nehmen. Nach einem Tag sollten Futtertiere wieder entfernt werden ! Auf ein besprühen der Vipern sowie im Behälter verzichte ich, den es sorgt nicht für ein Wohlbehagen der Jungtiere sondern eher für Stress. Nur adulte Exemplare werden selten einmal kurz besprüht sowie im ganzen Terrarium lokal 

 

 

Lokalität: Velebit / Kroatien, NZ 2017

Lokalität: Adriainsel Krk Kroatien, NZ 2014

Lokalität: Velebit Kroatien, NZ 2016